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Autoren des Buches "Geheimsache NSU" lesen im Brenzhaus vor etwa 80 Zuhörern PDF Print E-mail
Literatur - புத்தகங்கள்
Written by VERENA BUFLER   
Thursday, 09 October 2014 21:28
Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), das klingt nach Thüringen, zumindest weit weg. Doch das Thema betrifft auch Hall, wo bis heute ein rassistischer Ku-Klux-Klan existiert. Von einer Lesung mit brisantem Inhalt.

Zufall. Immer wieder dieses Wort. Esther Gronbach aus Hall hat es an diesem Abend zu oft gehört, als dass sie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen könnte. Ganz im Gegenteil: "Ich bin fassungslos, dass man den Eindruck haben muss, dass eine Mordserie vertuscht wird, und dass nicht wir Bürger geschützt werden, sondern der Verfassungsschutz." Und sie ist deprimiert, weil der Großteil der Bevölkerung desinteressiert sei. Und doch ein wenig hoffnungsfroh, weil es engagierte Menschen gibt, die kritisch nachfragen.

Vier davon sind am Dienstagabend ins Brenzhaus gekommen. Sie sind Autoren des Buches "Geheimsache NSU. Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur". Einer von ihnen ist HT-Redakteur Thumilan Selvakumaran, der in dem Buch das braune Netzwerk in Baden-Württemberg beleuchtet.

"NSU, früher assoziierte man diese Buchstaben mit Fahrrädern und Autos", sagt Birgit Schatz, die Geschäftsführerin des evangelischen Kreisbildungswerkes, das zusammen mit der Buchhandlung Osiander, der KZ-Gedenkstätte Hessental und dem Bund der Antifaschisten/VVN zur Lesung geladen hatte. Heute steht NSU für eine rechtsextreme terroristische Vereinigung, die im November 2011 öffentlich aufgeflogen ist, bestehend aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Dem NSU werden zehn Morde, mehrere Sprengstoffattentate und Raubüberfälle angelastet. Mundlos und Böhnhardt sind tot, Zschäpe wird seit August 2013 in München der Prozess gemacht.

Das ist die eine Seite des NSU-Komplexes. Die andere ist die Frage: Wie viel Staat steckt eigentlich im NSU? Diese kann auch das vorgestellte Buch nicht beantworten, aber es benennt Ungereimtheiten, kritisiert die Rolle der Geheimdienste in Deutschland, weist den Behörden Ermittlungsansätze auf.

Die Besucher der Lesung bekommen eine schwere Kost serviert: Namen von V-Leuten, Jahreszahlen, Zitate aus Polizeiakten. Und doch folgen sie so gespannt und konzentriert, als würde sich ein Krimi vor ihren Augen abspielen. Einige schütteln resigniert den Kopf, als an das "Heilbronner Wattestäbchen-Phantom" erinnert wird. Eine Panne? Verächtliches Schnauben bei der Aussage des Buchautors Rainer Nübel, dass die grüne Landesregierung Baden-Württembergs sich als einzige in Deutschland sträubt, einen Untersuchungsausschuss zum NSU-Komplex einzuleiten und sich derweil bürgernah nennt. Bitteres Lachen darüber, dass Phantombilder zurückgehalten, Akten scheinbar aus Versehen geschreddert und Augenzeugen eingeschüchtert wurden - alles auf Anweisung von staatlichen Behörden. Am Ende bleibt ein beklemmendes Gefühl zurück. Und viele offene Fragen, recherchiert von mutigen Autoren, die dringend beantwortet werden müssen.

Info "Geheimsache NSU. Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur.", herausgegeben von Andreas Förster, Klöpfer & Meyer, 2014, 315 Seiten, erhältlich im Buchhandel.

VERENA BUFLER | 09.10.2014 
Photos - Hans Kumpf

Quelle -  Haller Tagblatt, SÜDWEST PRESSE

Last Updated on Thursday, 09 October 2014 22:14